Nachwuchsschmiede zaubert sich zum Turniersieg

Da konnten die Zuschauer auf dem Zschopauer Parkett am Samstag einen heißen Tanz beim Sponsorencup des SV Germania Gornau bestaunen: In insgesamt neun Partien zauberten sich das Team der Nachwuchsschmiede Gornau, das reife und international besetzte Ensemble von HitRadio RTL und die Newcomer vom IproPlan Talenteschuppen durch die fast ausverkaufte Halle, offensichtlich kauften die anwesenden zwanzig Germaniafans alle Karten, der Motorradstadt. Von zarten Ballstafetten in fast heiliger Atmosphäre, über taktische Raffinessen und atemberaubend vorgetragenen Kombinationen, bis hin zu harten Duellen um wichtige Punkte war beim Sponsorencup alles dabei in dieser feierlichen Zeremonie. Einer Sensation gleichkommend setzten sich die erfahrenen Trainerfiguren geupgradet durch so manchen Jungspund und erfahrenem Triathleten in sechs Spielen mit immerhin 15 Punkten vor den Auswahlen von HitRadio RTL und IproPlan souverän durch – letztlich nicht unverdient bleibt der Pokal in Gornau und man konnte sich über ein spannendes, verletzungsfreies und gut organisiertes Turnier freuen.

Die letzten Tage wurde allseits mit großer Spannung erwartet, wie genau sich das Team der Nachwuchsschmiede zusammensetzen würde. Sportvorstand Arnold konnte aber lange vor der an jeder Ecke lauernden Medienmeute Geheimhalten, wenn die Fans der Germanen an jenem Samstag auf dem edlen Geläuf bestaunen durften. Tatsächlich versammelte sich auf dem Feld zeitweilig sämtliche, teuer eingekaufte Trainerkompetenz aller Nachwuchsmannschaften der Germaniastädter – das Augenmerk sollte aber in diesem Falle mehr auf dem Wort „Trainer“ denn auf „Kompetenz“ liegen. Letztere konnte der geneigte Beobachter an vielen Stellen an jenem Samstagnachmittag maximal erahnen. Auch die anderen Teams verpflichteten durchweg große Namen, IproPlan präsentierte stolz gar einen großen Teil der Vaterschaft des F-Junioren Ostblocks in seinen Reihen – hier war freilich deutlich Gefahr in Verzug: Wollte man der Vaterschaft keine Argumente für die eigene Trainerunfähigkeit an die Hand geben, musste die Nachwuchsschmiede gewinnen. Und schon war aus dem Spaßfußball knallhartes Alltagsgeschäft geworden. Dass sich dieses Team aus dem Trainerpersonal rekrutierte, wurde, wenn nicht schon in der geheimen WhatsApp Gruppe, spätestens in der Kabine selbst für noch so unbedarfte Geister ersichtlich: Es gab bisweilen 13 taktische Konzepte und 36 Aufstellungsoptionen, welche Spieler-Trainer Sowade mit seinen acht Assistenten an jenem Nachmittag der personell damit identischen neunköpfigen Truppe an die Hand geben musste. Da die üblich favorisierte Raute das Team zu überfordern drohte, ging es back to the roots: 1-2-2, Jens „the rocket“ sollte den Laden hinten sauber halten, die Defensive macht  dicht und vorne hilft der liebe Gott, so die bemerkenswert detailliert und außerordentlich gut ausgetüftelte Strategie, die das Trainerteam letztlich aus ihrem geballten Fachwissen zu extrahieren in der Lage war. Das Ganze aber auch praktisch aufs Hallenparkett zu transferieren, war eine andere Frage und sollte zur Herausforderung mutieren. Wie auch immer: Die Voraussetzungen konnten nicht besser sein, die Hütte voll und an Motivation fehlte es nicht.  

 

In jeweils drei Spielen galt es gegen die Mitkonkurrenten zu bestehen – immerhin insgesamt sechs Spiele zu je zwölf Minuten für die Germaniastädter. Ständige Rotation im jüngsten Team des Turniers war aufgrund der im Verlaufe des Nachmittags offenbar gewordenen konditionellen Ausbaufähigkeit genauso angebracht, wie taktische Disziplin, sollten Punkte auf das eigene Konto wandern. Die an diesem Tag spielerisch stark auftretenden Radiovertreter von HitradioRTL konnten den Germaniastädtern im zweiten Spiel nicht nur drei Punkte entlocken und die Auswahl der Nachwuchsschmiede in eine bedrohliche Sinnkrise stürzen, sondern stellten die Germanenauswahl in durchweg rassigen, bisweilen ab und an die eher andächtige Stimmung in der Halle durchbrechend und damit für willkommene Abwechslung sorgend, und immer engen Partien wiederholt vor erhebliche Probleme. Nicht zuletzt die Butterstullen leisteten ihren Beitrag dazu, dass die Gornauer aus den drei Partien sechs Punkte mitnahmen. Zwar weniger eng, aber dennoch gleichermaßen spannend, verliefen die Duelle gegen die zeitweise stark auftretende Talentauswahl von IproPlan. Hier konnten die Germanen in allen Partien ihr ausgefeiltes Kurzpassspiel aufziehen und für sehenswerte Aktionen sorgen. Traumhafte Kombinationen ein ums andere Mal setzten die Firmenvertretung mächtig unter Druck, auch wenn die Truppe mit den Vätern der F-Junioren stets gefährlich blieb. Besonders der in allen Phasen des Nachmittags beweglich und sehr fit wirkende Thomas (Trainer E) sorgte im Sturmzentrum regelmäßig für Hektik und Gefahr, bereitete zahlreiche Treffer vor – wahrscheinlich hatten die Gegner ihn in seiner Trikotgröße XS aber auch schlicht für den Balljungen des Teams gehalten und deshalb nicht in die Manndeckung verfrachtet. Arnold (Trainer D), Sportvorstand und besonders von Seiten der Presse kritisch unter die Lupe genommen, zeigte sich gewohnt Abschlussstark und setzte im Spiel gute Akzente, auch wenn das Bewegungsprofil und vor allem die defensive Deckungsarbeit eigentümliche Blüten trieben: Er hat es zur Perfektion gebracht, dass sein Gegenspieler immer von jemand anderen „übernommen“ wird, es aber praktisch keiner merkt. Das ganze Prinzip des „Übernehmens“ wusste er nebenbei geschickt als taktische Option zu verkaufen. Bemerkenswert und selbst Legenden wie Guardiola, Tuchel oder Anchelotti sollen an Arnolds Raffinesse interessiert sein! Steve (Trainer C) „the machine“, seit jeher die dampfende, rennende und wirbelnde Kanone im Sturmzentrum sämtlicher Mannschaften der früheren Germaniastädter, wurde Torschützenkönig des Teams und kontrollierte die Offensive mit Thomas souverän. Er sollte durch sehenswerte Antritte und Körpertäuschungen die Sonderwertung der „geschmeidigsten Hüfte“ an jenem Nachmittag gewinnen. Marco, von der Peer-Group liebevoll „Hackepeter“ gerufen und einer der wenigen Nicht-Trainer im Kader der Nachwuchsschmiede, fiel schlicht durch Leistung, Agilität und starkem fußballerischen Verständnis und nicht durch die Beteiligung an den klugen Beratschlagungen auf, die immer und ständig aus allen Ecken zu vernehmen waren. Ganz ähnlich souverän verstärkten Robin Kliemt und Max Feldmann – beide ebenso wenig gesegnet mit der allwissend und allmächtig wirkenden Trainererfahrung – besonders die Defensivabteilung. Beide überzeugten die Coaches durch sicheres Kurzpassspiel, sehenswerte offensive Akzente und Abschlussstärke. Lukas, seines Zeichens Triathlet und einer der Hauptorganisatoren des Gornauer Kirmeslaufes, zauberte kräftig mit im Team und glänzte mit schönen Toren und großem Bewegungsradius – einer der Wenigen, der die vier Auslinien der Halle nicht nur am Horizont erahnt, sondern wahrhaftig auch gesehen haben dürfte. Da im Triathlon nur äußerst selten Manndeckung erforderlich ist, seien ihm an dieser Stelle die defensiven Fahrlässigkeiten hier und da verziehen. Sowade (Trainer F), Spielertrainer und scharfer Beobachter der Szenerie auf dem Hallenboden, überzeugte vor allem durch Nichtanwesenheit auf dem Feld und wenn, dann durchweg durch überschaubare Laufarbeit. Das Bewegungsfeld im Mittelkreisradius konnte er gut durch die „Raumdeckung“ vertuschen, auch wenn ihm noch die arnoldsche Raffinesse fehlt, das Ganze als heiliges taktisches Konzept glaubwürdig zu verkaufen. Umhin schien die Traineraura auf dem Feld gelegentlich Unruhe in die Mannschaft zu bringen, gab es doch an der einen oder anderen Stelle plötzlich Auflösungserscheinungen. Das Management und den Hallensprecherposten auf dem Feld übernahm „the rocket“ Jens, der in Lautstärke des Wortes und Überzeugung in der Tat das gemütliche Kaffegränzchen-Hallenflair kurzerhand zur Championsleague-Endspielstimmung erklärte – hat man so einen Mann als sicheren Rückhalt dabei, ist die halbe Miete eingefahren.

 

Insgesamt hat das die Auswahl der Nachwuchsschmiede ganz ordentlich gemacht, der Punkverlust kam „zur richtigen Zeit“, wie es Steve „the machine“ phrasenartig in die Runde warf (auch das beherrschen die Trainer tadellos). Die Erwartungen der Journalisten wurden übertroffen, in der anschließenden Pressekonferenz konnte Vereinsvorstand Keller ein positives Fazit ziehen. Es bleibt abzuwarten, ob sich das Team der Nachwuchsschmiede zukünftig sehen lassen wird, oder ob diese Galavorstellung nur als Eintagsfliege zu bewerten ist. Im Falle des Falles wird es nach diesem Erfolg finanziell große Summen benötigen, um diese Truppe beisammenzuhalten. Zudem haben die Trainerfiguren mit diesem Pokal Motivation schöpfen können, um die kommenden Hallenturniere, schon morgen beginnend, mit den Jugendteams anzugehen. 

 

Tobias Sowade

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